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Bürgerarbeit erleichtert Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt

Martin Hanewinkel (Fachbereichsleiter Fallmanagement) und Josef Weber (Teamleiter Fallmanagement) präsentieren das Konzept zur Bürgerarbeit
Mit der Teilnahme am Modellprojekt ”Bürgerarbeit” können Langzeitarbeitslose ihre Chancen auf Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt deutlich verbessern. Martin Hanewinkel und Josef Weber von der Arbeitsgemeinschaft SGB II im Kreis Warendorf (ARGE) berichteten im Rahmen eines Pressegesprächs über Inhalte und Ziele des jüngst gestarteten Projekts.
Anfang Juli fiel der Startschuss für das von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen initiierte Modellprojekt ”Bürgerarbeit für Langzeitarbeitslose”. Die ARGE hat sich am Interessenbekundungsverfahren beteiligt und wie weitere 27 Arbeitsgemeinschaften und Optionskommunen in Nordrhein-Westfalen einen Zuschlag erhalten. Seit Mitte Juli bietet die ARGE ihren Kunden nun die Teilnahme an diesem Projekt an. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Alleinstehende, die derzeit Arbeitslosengeld II empfangen, 25 bis 49 Jahre alt sind und bisher nicht ohne Weiteres auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten, berichtet Martin Hanewinkel, Fachbereichsleiter für das Fallmanagement der ARGE. Es können jedoch auch weitere Personen in das Projekt einmünden. Die Kriterien hierfür legt die ARGE fest.
Im Kreis Warendorf werden rund 500 Personen am Modellprojekt ”Bürgerarbeit” teilnehmen, sagt Josef Weber, der für die operative Durchführung des Projekts verantwortlich ist. Sechs Fallmanager habe die ARGE eigens zur Durchführung des Projekts abgestellt. Diese Fallmanager werden sich im nächsten halben Jahr intensiv um die Projektteilnehmer kümmern. Damit das gelingt, wurde der Betreuungsschlüssel auf 1: 85 festgelegt. Im Vergleich: Ein Arbeitsvermittler betreut zum Teil mehr als 200 Kunden.
Wie Martin Hanewinkel weiter erläutert, stehe nicht die Bürgerarbeit als solche im Fokus des Projekts. ”Das, was, vorher passiert, ist entscheidend”, so der 41-jährige Fachbereichsleiter. Bevor nämlich jemand überhaupt Bürgerarbeit verrichtet, erfolgt eine sechsmonatige Aktivierungsphase. Gemeinsam mit den verantwortlichen Fallmanagern führen die Projektteilnehmer eine Standortbestimmung durch. Wo stehe ich, wo will ich hin, sind Fragestellungen die aufgeworfen werden und in klar formulierten Zielvorstellungen münden sollen. Im Anschluss daran können die Fallmanager individuell und bewerberorientiert ihre Vermittlungsaktivitäten aufnehmen und mithelfen, die Projektteilnehmer, von denen 50 Prozent Frauen sein sollen, in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.
”Wir gehen dabei innovative Wege”, berichtet Hanewinkel. So sollen regelmäßig Gruppentage, Workshops und Betriebsbesichtigungen für die Langzeitarbeitslosen durchgeführt werden. Dadurch werde versucht, die zum Teil verborgenen Potenziale der Projektteilnehmer aufzudecken. Diese seien in der beruflichen Praxis ausgesprochen wichtig. ”Vielen ist gar nicht bewusst, wie viel sie tatsächlich können”, ergänzt er. Zeigt sich nach sechs Monaten kein Vermittlungserfolg, können die Teilnehmer bei entsprechender Eignung in die auf drei Jahre befristete Bürgerarbeit einmünden. Das heißt, sie würden beispielsweise gemeinnützige Tätigkeiten in Kommunen, in der Übermittagsbetreuung, in offenen Ganztagsschulen, an Bushaltestellen oder in Beschäftigungsgesellschaften. Wie Josef Weber ausführt, müssen die in Frage kommenden Arbeiten auf jeden Fall gemeinnützig, zusätzlich und wettbewerbsneutral sein. Ein Beirat, bestehend aus Vertretern der Agentur für Arbeit, des Kreises, der Städte und Gemeinden, der Kreishandwerkerschaft, der Industrie- und Handelskammer sowie einer Personalvertretung werde diese Fördervoraussetzungen sorgfältig überprüfen.
Martin Hanewinkel schätzt, dass trotz aller Bemühungen ca. 100 Personen in die Bürgerarbeit einmünden könnten. Die Tätigkeit bleibt keineswegs unentgeltlich, wie man vermuten könnte. Diejenigen, die mit der eigentlichen Bürgerarbeit beginnen, werden sozial-versicherungspflichtig (ohne Arbeitslosenversicherung) beschäftigt und nach ortsüblichen geltenden Tarifen entlohnt. Die Finanzierung wird größtenteils vom Europäischen Sozialfonds und aus Bundesmitteln getragen. Für Martin Hanewinkel besteht kein Zweifel, dass das Projekt für beide Seiten ein Gewinn ist: ”Die Ziele der ARGE werden mit der ”Bürgerarbeit” nachhaltig unterstützt. Die Teilnehmer erhalten wieder eine berufliche Perspektive”, ist der Fachbereichsleiter überzeugt.
”Die bisherige Resonanz ist erstaunlich gut”, freut sich auch Josef Weber. Wie der Teamleiter Fallmanagement berichtet, konnten von den angeschriebenen Personen bereits 145 Leute (Stand 4. August) aktiviert werden. Davon wiederum haben 52 Personen 112 Vermittlungvorschläge erhalten, so Weber.

